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Anleitung zum erfolgreichen MES-Austausch

January 19, 2021

Anleitung zum erfolgreichen MES-Austausch

Warum sollte ein funktionierendes MES durch ein neues MES ersetzt werden? Dafür gibt es viele Gründe, und diese müssen für die meisten Unternehmen so überzeugend und wichtig sein, dass ein derartiges Großprojekt in Angriff genommen wird. Industrie 4.0 und zahlreiche aufkommende digitale Technologien machen die Aussicht auf ein Upgrade Ihres MES überaus interessant - denn so profitieren Sie vom Knowhow, vermeiden ein Durcheinander an Anwendungen zugunsten eines zentral verwalteten, einheitlichen Anwendungs-Frameworks und bewältigen zugleich die End-of-Life-Problematik von Hardware-/Software ohne Migrationsmöglichkeit.

Dieser Blog-Beitrag ist ein Auszug aus unserem Whitepaper "Guide to Successful MES Replacement, Migration Strategies Explained". Klicken Sie bitte hier, um das vollständige Whitepaper zu lesen.

Die Migration von Daten und Prozessen aus einem Legacy-System in ein neues MES ist mit Risiken verbunden, denn in einem MES werden umsatzrelevante Prozesse verwaltet. Es ist für den Erfolg des Migrationsprojektes entscheidend, alle betroffenen Abteilungen einzubinden und zu aktivieren. Dabei ist eine Strategie wichtig, die das Unternehmensprofil abbildet.

Überblick über Migrationsstrategien

Migrationsstrategien werden hauptsächlich von drei Faktoren bestimmt:

  1. Zeit: die Zeit, die vom Projektstart bis zum Abschluss benötigt wird, einschließlich der Phasen vor der Migration, der eigentlichen Migration und nach der Migration.
  2. Risiko: die Risikoeinschätzung und das Gefährdungspotential (Wahrscheinlichkeit X Kosten).
  3. Kosten: die Kosten, die mit der Planung und der Ausführung der festgelegten Strategie einhergehen, inklusive der Opportunitätskosten (Ausfallzeiten, Abwesenheit eines Teammitglieds zur Ausführung einer bestimmten Aufgabe usw.).
Diese Faktoren müssen bewertet und hinsichtlich der möglichen Alternativen zur gewählten Migration-Strategie analysiert werden. Die Gewichtung hängt von der Wechselwirkung der Anwendungen untereinander ab (Schnittstellen-Anzahl, die zwischen Anwendungen selbst und anderen Systemen bestehen); dem durch das MES erreichbare Automatisierungsgrad sowie den zu erwartenden Auswirkungen aufgrund der einzelnen MES-Ausfallzeiten, während das MES nicht verfügbar ist.

Dies wird in der folgenden Tabelle dargestellt.

Migrationsstrategie: Arten der Implementierung

Es gibt drei grundlegende Möglichkeiten zur MES-Implementierung, die zu berücksichtigen sind:

  • Big Bang. Dies ist eine Strategie, bei der das alte MES abgelöst und durch ein neues MES ersetzt wird. Diese Strategie ist die disruptivste, aber auch die wirkungsvollste. Es gibt dabei keine Legacy-Systeme und keine doppelten Anwendungen, die gehandhabt werden müssen. Viele digitale Transformationsprojekte verwenden diesen sogenannten Urknall-Ansatz.
  • Schrittweise MES-Einführung. Dabei wird das neue MES schrittweise eingeführt, aufgeteilt entweder nach funktionalen Geschäftsbereichen (Verpackung, Produktion, Qualitätskontrolle), nach Fertigungseinheiten (Bereich, Schritt oder Maschine); nach MES-Funktion (Betriebsmittel, Personal, Maschinenmanagement, Rezeptmanagement) oder nach Charge.
  • Parallelsysteme. Das alte und neue MES werden so lange nebeneinander eingesetzt, bis das neue MES verlässlich und leistungsfähig funktioniert, sodass die Abschaltung des Altsystems möglich wird.

Migrationsstrategien im Vergleich: Welche ist die richtige für Sie?

Jedes Migrationsprojekt ist einzigartig. Die Arbeitsumgebung und Rahmenbedingungen in Ihrem Unternehmen bestimmen die Auswahl des geeigneten Migrationsansatzes. In der folgenden Tabelle werden die drei wichtigsten Methoden - Big Bang, schrittweise Einführung und parallele Systeme - in Bezug auf Risiko, Zeit für die Migrationsdurchführung und Kosten (Aufwand) - verglichen, um so die Festlegung eines MES-Implementierungsansatzes zu unterstützen.

Zusammenfassung:

Big Bang: höchstes Risiko, kürzeste Migrationszeit und geringste Kosten

Schrittweise Einführung: die ausgewogenste Migrationsstrategie im Hinblick auf Kosten/Risiko

Parallele Systeme: geringstes Risiko, höchste Kosten

Migrationsplanung

Das verantwortliche Team muss für eine erfolgreiche Migration bestimmte Handlungsschritte befolgen, und zwar unabhängig davon, welche Strategie gewählt wurde. Es wird zunächst vorausgesetzt, dass eine Vision mit klaren, messbaren Zielen entwickelt wurde. Dieser Referenzfahrplan ist der Ausgangspunkt für alle Etappen der technischen Migration.

Die Planung sollte die folgenden Phasen umfassen:

  • Migrationsdefinition einschließlich des Umfangs, der Ziele und Strategien
  • Migrationsvorbereitung einschließlich sämtlicher Aktivitäten, die durchgeführt werden müssen, um die Migration zu ermöglichen
  • Migrationsausführung umfasst die Umsetzung der Strategie
  • Migrationsabschluss umfasst Aktivitäten nach der Migration

Bei einer standortübergreifenden MES-Bereitstellung ist es sinnvoll, eine einheitliche Systemlandschaft bei der Migration anzustreben und dabei Folgendes zu berücksichtigen:

  • Jede bestehende Systemlandschaft ist anders, und somit muss das Migrationsverfahren auf jeden Standort individuell zugeschnitten werden. Es ist wichtig, möglichst viele Lösungen beizubehalten, die für einen bestimmten Standort speziell entwickelt wurden, und diese auch an anderen Standorten wiederzuverwenden, sodass die Kontinuität und Standardisierung von Verfahren, Vorgehensweisen und Architekturen gesichert ist.
  • Die zukünftige Systemlandschaft wird wahrscheinlich nicht an jedem Standort zu hundert Prozent übereinstimmen. Dies entspricht den Besonderheiten der einzelnen Unternehmen und ihrer Geschäftsprozesse.

Im Rahmen eines Migrationsprojekts können neben den IT-Anwendungen auch die Geschäftsprozesse harmonisiert werden. Sie sollten letztendlich entscheiden, welcher Grad der Harmonisierung zu erreichen ist, denn bei der Vereinheitlichung der Systemlandschaft gilt es, ein Gleichgewicht zwischen Flexibilität einzelner Standorte und der Forderung des Unternehmens nach Kosteneinsparungen herzustellen.

Migrationsplanung: Definition

Dies ist die wichtigste Projektphase, denn sie bildet den Ausgangspunkt für alle nachfolgenden Arbeitsschritte. Es handelt sich dabei um drei Sequenzen:

  1. Abbildung der Ist-Systemlandschaft: alle relevanten eingesetzten Fertigungsanwendungen sowie deren Einsatzbereiche und Wechselwirkungen.
  2. Definition der Soll-Systemlandschaft: welche Anwendungen werden abgelöst; Festlegung des Integrationsgrades zwischen neuen und alten Anwendungen
  3. Festlegung der Migrationsstrategie: wie wird das Ist-System unter Berücksichtigung der Migrationsstrategien (Big Bang, schrittweise oder parallel) in das Soll-System migriert? Welche Anwendungen bedürfen einer Anpassung? Welche Anwendungen/Hilfsprogramme müssen zur Migration entwickelt werden sowie eine Übersicht der zu erledigenden Aufgaben (Backups, Laden von Daten usw.) zur Durchführung der Migration.

Migrationsplanung: Vorbereitung

Diese Phase umfasst die Ausführung aller notwendigen Aufgaben, um die Durchführung der Migration zu ermöglichen. Die Aktivitätenliste enthält Aufgaben, die parallel ausgeführt werden können, und solche, deren Ausführung von einer Abfolge bestimmter Maßnahmen abhängt.

Diese Aufgaben umfassen:

  1. System-Setup: In dieser Phase geht es um die Bereitstellung der Infrastruktur: Beschaffung der Hardware/Software sowie Einleitung der erforderlichen Prozesse zur MES-Modellierung, Anpassung, Schulung, Systemintegration und Anwendungsmigration.
  2. Integrierte Test- und Validierungsverfahren
  3. Probelauf der Migration: Proof-of-Concept-Validierung und Einarbeitung des Teams in die neuen Anwendungen/MES

Migrationsplanung: Ausführung

Diese Phase umfasst die Ausführung aller Aktivitäten zur Durchführung der "Live"-Migration. Dabei wird angenommen, dass die notwendige Ausfallzeit für die Umrüstung mit der Produktion abgestimmt wurde. Diese Phase umfasst:

  1. Rollout und Go-Live: Durchführung der definierten Arbeitsschritte für das Rollout und Bestimmung des Go-Live-Zeitpunktes.
  2. Überwachung: Fehlersuche, Gewährleistung der Verfügbarkeit von IT und operativem Betrieb, sodass eventuelle Störungen schnell beseitigt werden können.
  3. Phase-In/Phase-Out: Freigabe einzelner Fertigungsprozesse sowie Ablösung des alten MES-Systems.
  4. System-Abschaltung im Falle einer Parallelbetrieb-Strategie, wobei das alte MES stillgelegt und das neue MES aktiviert wird.
  5. Abschaltung von migrationsrelevanten Anwendungen und Hilfsprogrammen: Deaktivierung und Deinstallation von Middleware, Routing- und Synchronisations-Ebenen, die zur Unterstützung der Migration hinzugefügt wurden.

Migrationsplanung: Abschluss

Die Migrations-Abschlussphase umfasst alle erforderlichen Aufgaben, um das Migrationsprojekt ordnungsgemäß abzuschließen. Sie kann auch die Aktivierung von Funktionen des neuen MES-Systems beinhalten. Zu den Abschlussaktivitäten gehören:

  1. Archivierung der alten MES-Daten: kurz- und langfristige Konzepte und erforderliche Technologie zur Archivierung unternehmenskritischer MES-Daten
  2. Aktivierung der neuen MES-Funktionalität: diese Projektphase ermöglicht die Inbetriebnahme der neuen Funktionalität, da die meisten MES-Migrationen auf einen Eins-zu-eins-Austausch abzielen
  3. Ausmusterung nicht mehr benötigter Hardware/Software: dies betrifft nicht nur Hardware/Software, die mit dem alten MES zusammenhängt, sondern jede Anwendung/Utility, die für die Migration erforderlich war.

Fazit

Eine MES-Migration ist nichts für schwache Nerven. Die Zusammenarbeit aller Interessengruppen ist für die erfolgreiche Durchführung einer MES-Migration von entscheidender Bedeutung. Es ist eine durchdachte, zeitintensive Aufgabe, die in den meisten Unternehmen erforderlich ist, um das Potenzial von Industrie 4.0 - Digitalisierung, Effizienz und Optimierung - auszuschöpfen. Einmal umgesetzt, sind Sie dadurch in der Lage, effektiv und profitabel zu agieren und Ihre Abläufe jederzeit und überall an eine veränderte Nachfrage, neue Geschäftsmöglichkeiten oder Anforderungen flexibel anzupassen.

Die englische Originalversion dieses Artikels von Luis Ponte (veröffentlicht am 29. Dezember 2020) lesen Sie hier.


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Five Ways Medical Device Industry Leaders Maintain their Manufacturing Edge
by Julie Fraser, Iyno Advisors
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